Ein Festival als Hommage an die neun Kaisergötter
Sie interessieren sich für Thailand über Strand und Nachtleben hinaus und möchten mehr über lokale Feste erfahren? Dann lohnt sich ein Blick nach Phuket Old Town. Hier, im historischen Herzen der Insel, wird jedes Jahr ein besonderes Ritual gepflegt: das Vegetarische Festival, auch Fest der neun Kaisergötter genannt.
Neun Tage lang steht das Leben vieler Menschen ganz im Zeichen von Reinheit, ritueller Askese und eindrucksvollen Tempelzeremonien. Gleichzeitig verwandeln sich die Straßen in ein Meer aus gelben Fahnen, Räucherdampf und vegetarischen Garküchen.
Ein anderes Phuket: Old Town statt Strand und Nachtleben
Viele verbinden Phuket mit Stränden, Bars und großen Hotels. Wer jedoch nach Phuket Old Town fährt und von der Hauptstraße in die kleinen Gassen abbiegt, entdeckt ein anderes Gesicht der Insel. Zwischen sino-portugiesischen Fassaden, Kräuterläden, Kellermärkten und kleinen Garküchen zeigt sich ein Phuket, das stark von chinesischer Kultur geprägt ist.
Genau hier findet jedes Jahr eines der eindrucksvollsten Feste Südthailands statt: das Vegetarische Festival, auch Fest der neun Kaisergötter genannt. Es geht auf chinesische Einwanderer zurück, deren Traditionen sich hier bis heute erhalten haben. Während das Fest in China vielerorts nicht mehr begangen wird, reisen Gläubige aus dem In- und Ausland eigens nach Phuket, um daran teilzunehmen.
Zeitpunkt und Ursprung des Festes
Das Vegetarische Festival wird an den ersten neun Tagen des neunten Monats nach dem chinesischen Mondkalender gefeiert. Nach westlicher Zeitrechnung fällt es meist in die Zeit zwischen Ende September und Oktober, das genaue Datum wechselt jedes Jahr und wird ein bis zwei Jahre im Voraus bekannt gegeben.
Im Zentrum stehen die neun Kaisergötter, himmlische Wesen, die während dieser Tage auf die Erde kommen sollen. Die Gemeinschaft bereitet sich mit ritueller Reinigung und strengen Regeln auf ihre Ankunft vor. Ziel ist es, Körper und Geist zu läutern, Schutz zu erbitten und gestärkt in den weiteren Jahresverlauf zu gehen.
Die Eröffnungszeremonie – Einladung an die Götter
Zu Beginn des Festes versammeln sich Gläubige in einem chinesisch‑thailändischen Tempel. Dort wird ein hoher, geschmückter Pfahl errichtet, der als symbolischer Weg für die Kaisergötter gilt. Priester sprechen Gebete, Helfer bereiten Opfergaben vor, Gongs und Klangschalen strukturieren das Ritual.
Obwohl sich viele Menschen im Tempel einfinden, ist die Stimmung meist konzentriert und ruhig. Besucher sitzen dicht nebeneinander auf dem Boden, die Luft ist erfüllt von Rauch und dem Duft der Räucherstäbchen. Für Reisende ist dies ein intensiver Einblick in die spirituelle Seite von Phuket.
Medien der Kaisergötter – wenn Götter menschliche Gestalt annehmen
Nach dem Glauben vieler Gläubiger benötigen die Kaisergötter einen Körper, um auf der Erde wirken zu können. Sie wählen dazu einzelne Menschen aus, die während des Festes als Medien dienen. Diese Personen verhalten sich in der Trance wie das Wesen, das sie verkörpern.
So kann es vorkommen, dass sich eine junge Frau plötzlich wie eine alte Dame bewegt oder ein zurückhaltender Mann auf einmal ausgelassen, kindlich oder exzentrisch wirkt. Gang, Mimik und Stimme verändern sich deutlich. Für Angehörige und Tempelgemeinschaft ist dies Ausdruck der Anwesenheit der Götter, keine Rolle und kein Schauspiel.
Die Medien werden meist von Familienmitgliedern begleitet, die sie stützen und führen. In Südthailand gilt es als besondere Ehre, wenn ein Mitglied der eigenen Familie in dieser Form auserwählt wird.
Rituale der Selbstüberwindung und des Vertrauens
Einige Zeremonien gegen Ende der Festtage wirken auf Außenstehende besonders drastisch. Medien nehmen dann an Riten teil, die ihre Hingabe und ihr Vertrauen in den Schutz der Kaisergötter zeigen sollen. Dazu können gehören:
- Das Überqueren von glühenden Kohlen
- Das Ersteigen von Leitern mit scharfen Klingen
- Das Durchstechen von Wangen oder anderen Körperstellen mit metallenen Stäben
- Das Schlagen des eigenen Körpers mit Ruten oder ähnlichen Gegenständen
Diese Handlungen finden in einem Zustand religiöser Ekstase statt. Für Gläubige sind sie Ausdruck tief verwurzelter Frömmigkeit. Besucher sollten sich solchen Szenen mit Respekt nähern, Abstand halten und nicht aufdringlich fotografieren.
Vegetarische Küche – Reinheit mit Genuss
Während des Festes verpflichten sich viele Menschen zu einer besonderen Ernährungs- und Lebensweise. Sie verzichten auf:
- Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
- Eier und Milchprodukte
- Stark riechende Zutaten wie Knoblauch und Zwiebeln
- Alkohol, Tabak und andere Stimulanzien
Trotz dieser Einschränkungen ist das Angebot beim vegetarischen Festival vielfältig. An zahlreichen Ständen werden Tofu, Pilze und Sojaprodukte kreativ zubereitet: gebraten, frittiert, als Einlage in Suppen oder in kräftigen Eintöpfen. Dazu kommen süße Desserts aus Reis, Bohnen und Kokos.
Erkennbar sind die Festivalgerichte an gelben Fahnen oder Schildern mit roter Schrift. Sie zeigen an, dass die Speisen den Regeln des Vegetarischen Festivals entsprechen. Für Reisende ist dies eine gute Gelegenheit, vegetarische Varianten der thailändisch‑chinesischen Küche kennenzulernen.
Prozessionen, Feuerwerk und Atmosphäre in Phuket Old Town
Während der neun Tage ziehen immer wieder Prozessionen durch die Altstadt von Phuket. Tempelgemeinschaften tragen Schreine und Fahnen, begleiten Medien der Kaisergötter und zünden Feuerwerk. Der Klang von Gongs, Knallkörpern und Trommeln mischt sich mit den Geräuschen der Stadt.
Die historischen Straßenzüge verwandeln sich in eine Bühne: Tempel öffnen ihre Türen, Lampions hängen über den Gassen, Essensstände säumen die Wege. Besonders eindrucksvoll ist häufig der erste Abend, an dem die Ankunft der Götter mit Feuerwerk und religiösen Ritualen gefeiert wird.
Praktische Hinweise für Besuch des Festivals
Mit einigen einfachen Vorbereitungen lässt sich das Vegetarische Festival gut in eine Reise integrieren:
Reisezeit
Informieren Sie sich vorab über die konkreten Daten für das jeweilige Jahr. Termine werden 1-2 Jahre davor von der Tourism Authority of Thailand (TAT) veröffentlicht.
Unterkunft
Eine Übernachtung in oder nahe Phuket Old Town ermöglicht kurze Wege zu Tempeln, Prozessionen und Essensständen.
Kleidung
In Tempeln und bei Zeremonien sind bedeckte Schultern und Knie üblich. Weiße Kleidung wird oft als Zeichen der Reinheit getragen.
Verhalten
Rituale und Trancezustände haben für die Gläubigen hohen Stellenwert. Leises Auftreten, Zurückhaltung beim Fotografieren und das Beachten von Hinweisen sind wichtig.
Essen
Probieren Sie verschiedene vegetarische Gerichte, fragen Sie bei Unverträglichkeiten nach Inhaltsstoffen und lassen Sie sich auf neue Geschmacksrichtungen ein.
Eindrücke vom Besuch des Festivals
Wie der Zufall es wollte, kamen wir genau an dem Wochenende in Phuket Old Town an, an dem einmal im Jahr das Vegetarische Festival stattfindet. Weitab vom Touristenstrom kann man hier das echte Phuket, seine Farben, Gerüche und seinen Geschmack erleben. In den kleinen Gassen wirkt Phuket fast wie eine Filmkulisse: alte Kräuterläden, kleine Thairestaurants, Kellermärkte und überall das Gefühl, eine ganz andere Seite der Insel zu entdecken.
Besonders beeindruckt hat uns gleich zu Beginn die lange Zeremonie im Tempel. Sie dauerte mehrere Stunden, und doch vernahmen wir außer dem Gong der Klangschale keine Geräusche – und das, obwohl wir zusammengekauert auf dem Boden des Tempels saßen und von etwa 300 Thailändern umgeben waren. Diese Stille, diese Konzentration und die spürbare Hingabe der Gläubigen machten die Ankunft der neun Götter auf eine ganz besondere Weise greifbar.
Ebenso skurril wie eindrucksvoll waren die Menschen, die während des Fests von den Göttern als Medium auserwählt werden. Uns wurde erklärt, dass die Götter auf unserer Erde nicht ohne Körper auskommen können und deshalb von einer Person Besitz ergreifen. Die oder der Auserwählte nimmt in dieser Zeit die Gestalt und die Wesensmerkmale des Gottes an – in Gang, Haltung, Sprache und Verhalten, ohne jegliches Schauspiel und mit vollster Überzeugung. Was wir im Tempel sahen, war ein sehr skurriles und beeindruckendes Erlebnis.
Und auch kulinarisch blieb uns das Festival in Erinnerung. Trotz aller Regeln und Verzichte gab es nicht einfach nur Reis- und Gemüsegerichte, sondern sehr aufwendige Tofugerichte, teils bunt eingefärbt, teils spannend gewürzt, und fantastische Nachspeisen, die wir so in unserem Leben noch nie gesehen oder probiert hatten. Das Vegetarische Festival war für uns deshalb nicht nur ein religiöses Fest, sondern ein Erlebnis voller intensiver Eindrücke, das wir nie vergessen werden.











Das Vegetarische Festival in Phuket zeigt eine touristisch bekannte Insel von einer spirituellen und zugleich sehr lebendigen Seite. Zwischen Tempelritualen, Prozessionen und vegetarischer Straßenküche erleben Sie eine dichte Mischung aus Glauben, Gemeinschaft und Alltagsleben.
Wer sich respektvoll auf diese Tage einlässt, nimmt nicht nur eindrucksvolle Bilder mit, sondern auch ein tieferes Verständnis für die kulturelle Vielfalt Südthailands. Das Fest der neun Kaisergötter macht sichtbar, wie sehr Traditionen in Phuket bis heute gelebt werden – und wie bereichernd es sein kann, diesen besonderen Abschnitt im Jahr mitzuerleben.